Hands On im Yoga: nicht korrigieren, sondern unterstützen
Es geht nicht ums Anfassen, nicht ums Korrigieren. Es geht ums Unterstützen.
Es klingt zunächst wie ein Widerspruch: ein Workshop über Hands On, über unterstützende Berührung im Yoga, und zugleich die Aussage, dass es nicht ums Anfassen oder Korrigieren geht. Doch genau darin liegt der Kern dieser Herangehensweise.
Eine Hand auf dem Rücken kann vieles bewirken. Sie kann ein angenehmes Gefühl vermitteln, eine kurze Wohlfühlberührung sein. Doch Berührung um der Berührung willen stellt sich selbst in den Mittelpunkt und kann einem Menschen manchmal zu nahekommen. Bei Lallas Hands On Arbeit geht es deshalb nicht darum, zu korrigieren oder jemanden in eine Form zu bringen. Es geht darum, den Menschen in seiner eigenen Erfahrung zu unterstützen, mit Klarheit, Respekt und einer präzisen Absicht.
Erst sehen, dann begleiten
Bei Lallas Art zu unterrichten steht die Berührung am Ende einer klaren Reihenfolge, niemals am Anfang.
Zuerst kommt das Sehen. Was geschieht im Körper? Wo sind bereits Stabilität, Weite oder ein natürlicher Energiefluss vorhanden? Und wo hält etwas fest, wird eng oder verliert an Richtung? Dann folgt das Zeigen. Mit einer Geste macht Lalla sichtbar, was die Übenden selbst wahrnehmen dürfen. Falls nötig, ergänzt sie dies durch ruhige, klare Worte, nicht aus einem Regelbuch heraus, sondern aus einem tiefen Verständnis für den Menschen vor ihr.
Erst wenn Sehen und Sprache nicht ausreichen, kann eine unterstützende Hand hinzukommen. Nicht als Eingriff, sondern als feine Einladung.
Stell Dir vor, jemand steht in einer Vorbeuge: Die Schultern ziehen nach oben, der Atem wird flach, der Körper bemüht sich. Anstatt sofort zu berühren, lenkt Lalla die Aufmerksamkeit zunächst dorthin, wo sich die Spannung lösen kann. Sie sagt vielleicht: „Beug Deine Knie ein wenig.“ Dann richtet sie den Blick auf die Schultern und gibt Zeit, damit die Person selbst erkennen kann, wo sie festhält. Oft genügt danach schon ein Satz wie: „Lass den Atem den Raum zwischen Schultern und Ohren weicher machen.“
Und wenn dann eine Hand dazukommt, vermittelt sie nicht: „Du machst es falsch.“ Sie sagt vielmehr: „Hier darfst Du loslassen. Hier darfst Du Dich tragen lassen. Hier kann Energie wieder fließen.“
Nichts wird erzwungen. Etwas darf sich von innen heraus neu ordnen.
Energie verstehen und in Fluss bringen
Diese Art der Unterstützung richtet sich nicht nur an sichtbare körperliche Muster. Sie lädt dazu ein, Energieflüsse im Körper lesen und verstehen zu lernen: Wo ist Bewegung lebendig? Wo fehlt Halt? Wo kann Atem wieder tiefer werden? Und wo zeigt sich vielleicht eine Blockade, körperlich, emotional oder mental?
Manchmal zeigt sich eine mentale Anspannung in einem festgehaltenen Kiefer, in hochgezogenen Schultern oder in dem Versuch, eine Haltung unbedingt schaffen zu wollen. Oft fehlt einfach die Stabilität in einem hinteren Bein und im Fuß. Manchmal fehlt die innere Erlaubnis, Raum einzunehmen, sich aufzurichten oder weich zu werden. Der Körper erzählt oft, was Worte noch nicht ausdrücken können.
Unterstützende Hands On können hier einen Raum eröffnen, in dem sich etwas lösen darf. Nicht, weil jemand von außen etwas repariert, sondern weil die Person auf der Matte wieder Zugang zu ihrer eigenen Kraft, ihrem Atem und ihrer inneren Ausrichtung findet.
Dabei wirken drei Qualitäten zusammen. Sensibilität heißt wahrzunehmen, was im Menschen und im Raum gerade geschieht. Stabilität schafft einen sicheren Rahmen, um die Energie zur Körpermitte zu lenken und dann den Raum zu öffnen, in dem Loslassen und Veränderung möglich werden. Und Ausrichtung unterstützt den Körper so, dass Energie wieder klarer fließen kann. Wer diese Qualitäten lesen lernt, unterrichtet mit Ruhe. Dann wird deutlich, wann ein Blick, eine Geste oder ein Satz genügt und wann eine präzise Berührung wirklich hilfreich sein kann.
Jede Berührung folgt einer Absicht
Bei Lalla gibt es keine Berührung ohne Sinn. Jede Hands On unterstützt ein Ausrichtungsprinzip und die Loops. Sie folgt nicht einer spontanen Idee oder dem Wunsch, etwas zu machen, sondern einer klaren Frage: Was hilft diesem Menschen jetzt, sich sicherer, freier und verbundener zu erleben?
Aus langjähriger Erfahrung weiß Lalla, wie präzise Unterstützung sein kann. Mit feinen, klaren Griffen gibt sie dort Halt oder Richtung, wo der Körper ihn gerade braucht, nicht mehr und nicht weniger. Es geht nie darum, jemanden zurechtzurücken oder in eine Schablone zu drücken. Es geht darum, das Potenzial, das bereits da ist, zum Wachsen zu bringen.
Diese Klarheit schafft Sicherheit. Die Berührung bleibt respektvoll, nachvollziehbar und angemessen: nah genug, um zu unterstützen, aber niemals grenzüberschreitend. Die Übenden wissen, was geschieht, und bleiben aktiv an ihrer eigenen Erfahrung beteiligt.
Auch die Lehrenden bleiben bei sich
Zu einer reifen Praxis unterstützender Berührung gehört auch die Selbstfürsorge der Unterrichtenden. Wer Menschen begleitet, braucht selbst einen guten Stand, klare Grenzen und einen bewussten Umgang mit der eigenen Energie.
Wenn Hands On aus Präsenz, Beobachtung und einer eindeutigen Absicht entstehen, wird Unterstützung nicht zu einem diffusen Geben. Die Lehrenden bleiben bei sich und in ihrer Kraft. So können beide Seiten getragen sein: die Person auf der Matte und die Person, die sie begleitet.
Eine Einladung
Diese Art des Sehens und Unterstützens ist nicht an einen bestimmten Yogastil gebunden. Sie bereichert jede Form des Unterrichtens, für erfahrene Yogalehrende ebenso wie für Menschen, die gerade beginnen, andere auf ihrem Weg zu begleiten.
Im Workshop vermittelt Lalla an zwei Tagen die Kunst, genau hinzuschauen, Energieflüsse zu verstehen, Blockaden wahrzunehmen und Menschen mit Klarheit und Feingefühl zu unterstützen. Es geht um praktische Erfahrung, präzise Prinzipien und die Frage, welche Formen der Unterstützung wirklich hilfreich sind, für die Übenden und für die Lehrenden selbst.
Der Workshop ist offen für alle Interessierten und richtet sich als Weiterbildung an Yogalehrende aus allen Stilen. Er findet am Samstag, 22. August 2026, von 9:00 bis 17:00 Uhr sowie am Sonntag, 23. August 2026, von 9:00 bis 14:00 Uhr im Yogastudio in Leichlingen statt. Direkt nebenan bietet ein Gästehaus schöne Apartments für alle, die von weiter her anreisen.
Wenn Du magst, komm dazu. Vielleicht beginnt hier eine neue Klarheit darüber, wie Du Menschen auf der Matte begegnest, mit wacher Präsenz, respektvoller Unterstützung und dem Vertrauen, dass vieles sich lösen darf, wenn Energie wieder fließen kann.




